Elbe Part 2 ( Spindlermühle – Dresden)


Prag (8. 7. 2022)

Diesmal haben wir einen Tag für Prag zusätzlich eingeplant. Wir haben einen Nachmittag um die Altstadt zu besichtigen und am nächsten Tag eine 3 stündige Sightseeing – Tour per Rad. Nur rumlaufen ist nicht so mein Ding, die Karlsbrücke rüber und retour strampeln ist mir zu viel, da nehme ich lieber die Dienste eines Portraitzeichners in Anspruch.

Vormittags die Stadt mit dem Rad zu erkunden ist schon wesentlich einfacher. Nette Führung durch unseren Guide, ein Sport- u. Deutschlehrer der sich die Geschichte selbst beigebracht hat erzählt uns alles über die Stadt. Mit den Jahreszahlen hapert es noch ein bisschen und das Radfahren auf den Pflastersteinen ist auch nicht angenehm.

Etappe 1 (9. 7. 2022) Vrichlabi – Quelle – Vrichlabi (35km)

Zuerst mal rauf zur Quelle, die Elbquelle liegt auf 1.386 Meter im Riesengebirge Nähe Spindlermüle in Tschechien ( Grenze Polen). Von Vrichlabi bis Spindlermühle nehmen wir den Bus mit Radmitnahme. Dieser fährt nur einmal am Tag um genau 9:10h, Vorbuchung nicht möglich, wir haben Bedenken ob es klappen wird. Bis auf ein kleines Hoppala beim Abladen der Räder (das fünfte Rad fährt fast davon, wird nicht zeitgerecht abgeladen) ging doch alles gut und wir sind im Skiort Spindlermühle.

Die Seilbahn (Seilbahn ebenfalls mit Radmitnahme) bringt uns weiter zur Bergstation Medvedin. Viele Wanderer sind dort unterwegs, das Radmitnahme – Service nehmen nur wir 5 in Anspruch und radeln danach Richtung Quelle. Es fehlen uns noch ca. 6 Kilometer bergauf mit dem Rad, zu unserer großen Überraschung geht es ohne Schieben, mit dem ersten Gang und am Bergkamm auch noch ein Stück flach.

Den letzten Kilometer müssen wir treten, aber nicht in die Pedale, das ist nicht erlaubt. Um die Mittagszeit erreichen wir die Elbquelle, wir haben diese logistische Herausforderung geschafft.

Das Wetter wird schlechter. Laut Insiderinformation kann sich hier das Wetter in wenigen Minuten ändern, und das trifft auch ein. Plötzlicher Regen zwingt uns in die Schutzhütte, Nebelschwaden ziehen durch, aber wir haben Glück, es dauert nicht lange und wir starten die Talfahrt.

Unsere Erwartung, ein leichter Talroller, wurde nicht erfüllt. Anfangs war es noch ok, auf einer Straße langsam runter da kein guter Asphalt, dann allerdings führt der Radweg in einen Wald und es wird immer schlechter. Später bei einer Hütte, bemerkten wir dass wir auf einer Langlaufloipe unterwegs waren. Im Sommer Radweg im Winter eine Ski Langlauf Strecke. Bei der späten Ankunft in Vrichlabe (Unterkunft) sind nicht nur unsere Räder fix und fertig sondern wir auch.

Etappe 2 (10. 7. 2022) Vrichlabi – Königgrätz (80km)

Es geht schnell voran da tendenziell abfallend, meist sind wir auf schwach befahren Straßen unterwegs. Kurze Übergangsstücke sind manchmal sehr schlecht zu befahren. Bei einem bergauf Schotterstück passiert es, ein Kettenwurf blockiert das Hinterrad. Diesmal hat sich die Kette so verzwickt das wir eine halbe Stunde brauchten um den Schaden zu beheben. Die Tour ist wegen technischer Probleme auf der Kippe gestanden.

Absichtlich nehmen wir nicht die leichtere Straße sondern entscheiden uns für die Naturroute. Im nachhinein betrachtet, war es doch die bessere Entscheidung, der Weg war doch nicht so schlecht und die Landschaft wunderschön.

Das Wetter wird immer schlechter, wir kämpfen mit Gegenwind und Sturm.
Die letzten Kilometer werden zur Qual. Erleichtert kommen wir in Hradec Králové (zu deutsch Königgrätz) an. Abends versorgen wir uns mit dem Nötigsten (Becherovka) und einiges mehr, das Abendessen in einer guten Pizzeria lässt uns die Strapazen vergessen.

Etappe 3 (11. 7. 2022) Königgrätz – Kolin (80km)

Die ersten 20 Kilometer radeln wir auf Straßen. Dann kommen doch noch Radwege, die aber sehr unterschiedlich sind, manchmal auf dem Gehsteig, Wiesen und durch den Wald.

Es kommt eine Schottergrube, auf einigen Kilometern haben Baufahrzeuge den Radweg so zerstört das man kaum noch weiter kommt. Wieviel werden wir und das Rad noch aushalten?. Erstaunlich was man alles als Radweg bezeichnen kann, wir fahren über Wiese, Stein, Schotter durchqueren Wald, Baustelle, Schottergrube und vieles mehr. Ein Stamperl am Weg (Becherovka!!) muntert uns auf.

Etappe 4 (12. 7. 2022) Kolin – Nymburk (30km)

Es dauert lange bis wir Kolin verlassen. Die historischen Plätze sehen wir uns noch an und besuchen einen Radshop (neue Trinkflasche), wir kaufen noch eine Salbe in einer Apotheke und Getränke werden noch besorgt.

Aus logistischen Gründen haben wir heute nur 30 Kilometer auf unserem Plan. Um die laut Bikelinebuch schlechte Uferstrecke zu vermeiden, verlegen wir ein paar Kilometer auf den EuroVelo 4. Für die wenigen Kilometer nehmen wir uns Zeit, nach den Mühen der vergangenen Tage machen wir uns heute einen Wellnesstag.

Nymburk Stadmauer

Etappe 5 (13. 7. 2022) Nymburk – Melnik (70km)

Landschaftlich und kulturell eine Augenweide. Erstaunlich was man da alles zu sehen bekommt. Fischer die im Zelt übernachten, viele Zeltplätze, manchmal mitten im Wald, alle Arten von Wohnwagen und Zelte, eine beinah Attacke von einem Hund, ein Reh läuft vor der Nase übern Weg, jede Menge Leute unterwegs sowie vieles mehr. Zahlreiche urige Kioske laden ein, wir werden überall gut bedient und fühlen uns wie zuhause.

Radtechnisch allerdings eine Katastrophe, wir haben den härtesten Tag. Zu den schlechten Wegen, Furchen, Wiesen, Steinen, Wald, gesellt sich noch eine Baustelle. Erwähnenswert auch die unzähligen Pflastersteine die schon in Cuxhafen nervten, und wenn mal gut gemeinter Asphalt kommt, ist der auch noch mit Wurzelwerk durchwachsen, es wurden noch diverse Hindernisse und zuletzt noch eine enorme Steigung zum Hotel. Wir wollen die Elbe von der Quelle zur Mündung, daher müssen wir da durch. Empfehlenswert ist der Weg nicht.

Eine Baustelle zwingt uns in eine Umleitung die zu vermeiden besser gewesen wäre. Die gut gemeinte EV4 Umleitung entpuppt sich als Desaster. Der Bauarbeiter hat Nachsicht und lässt uns über den frischen Asphalt.

Wieder viele Teile mit steinigem Untergrund, in der Summe ist der Radweg nur für die härtesten Mountainbiker bestimmt, unsere Trekkingräder mit Gepäck sind dafür nicht geeignet.

Zusammenfluss von Moldau und Elbe in Melnik

Etappe 6 (14. 7. 2022) Melnik – Usti nad Labem (80km)

Der schönste Radtag. Die ersten 50 km bester Asphalt und danach auch nicht schlecht. Gegen Ende landschaftlich wie in der Wachau……… Donauradfeeling kommt auf. Besonders interessant ist der Elbe – Durchbruch kurz vor Usti nad Labem (zu deutsch Aussig).
Einkehrmöglichkeiten gibt’s mehr als genug, eine Bierzapfstelle am Radweg bei einer Ecke einer Hausmauer, das ist was “Einzigartiges”, da müssen wir eine Pause einlegen.
Sehr anstrengend die letzten Kilometer, der offizielle Weg hatte mehrere Stiegen, das Rad drüber nur mit vier Händen zu schaffen, es ist zwar der Radweg, wird aber zur Kletterpartie. Die Hotelzufahrt war nur über die verkehrsreiche Straße möglich, wir sind total überfordert, ein Alptraum. Es gibt keinen Radweg, wir mussten das Navi bemühen, das hat leider die Autoroute berechnet aber Radwege gibt es in dieser Stadt sowieso nicht. Viel Glück mit dem Wetter, kaum im Hotel fängt es kurzfristig zu schütten an.

Etappe 7 (15. 7. 2022) Usti nad Labem – Bad Schandau (50km)

Hi, wieder schöne Radwege, vieles neu asphaltiert. Ab Melnik ist es schön zu radeln, das Wetter halbwegs okay. Temperatur und Gegenwind macht uns zu schaffen, aber es ist trocken. Das letzte Mittagessen in Decin kurz vor Grenze zu DE. “Der Radwanderweg Decin Bad Schandau” steht auf der Tafel. Dieses Stück ist das Schönste das ich je gefahren bin. Ich kenne nichts vergleichbares, etwa wie die Schlögener Schlinge in 10 facher Ausgabe nur eben gerade. Bester Radweg daneben meterhohes Gras, steil abfallendes Flussbett und anmutende Berghänge, einzige Farbe grün weit und breit. Habe nicht gleich mitbekommen das wir hier in der sächsischen Schweiz sind. Es ist geboten hier mit einem 15 Stundenkilometer- roller die Gegend zu genießen.

Etappe 8 (16. 7. 2022) Bad Schandau – Dresden (50km)

Das Wetter spielt uns heute einen Streich. Gegenwind und kühl. Vom Regen bleiben wir vorerst verschont. Nur ein paar Tropfen, die reichen zum mehrmaligen umziehen.

So ganz ohne kühlem Nass geht’s nicht. Wir sind gerade in Pirma am historischen Marktplatz. Aus heiterem Himmel Regenschauer, wir warten ab und ziehen weiter. Die letzten 20km wechselhaft zwischen Niesel und Regen, aber auf der letzten Etappe kann man das gelassen ertragen.

Das Wetter schlechter aber der Radweg schöner, mit sehr viel Einkehrmöglichkeiten. Bei Sonne ist da sicher alles vollgestopft, jedoch heute gähnende Leere. Zeitgerecht erreichen wir Dresden. Wir bummeln noch durch die Stadt, eine vorab gebuchte Stadtführung absolvieren wir auch noch und ein abschließender Cocktail in der Hotelbar krönt unsere Tour.

Conclusio

Wir haben die Elbe von der Quelle (hoch oben in CZ im Riesengebirge bei Spindlermühln) bis Cuxhafen DE zur Kugelbake abgeschlossen. Residiert haben wir in den bestenten Häusern (ein Lob der Elbe Radtouristik! ). Der erste Teil von der Mündung (Cuxhafen Kugelbake) bis nach Dresden. Ein Jahr später der zweite Teil von der Quelle bis nach Dresden. Wir erlebten zwei sehr unterschiedliche Welten, im ersten Teil historische Städte wie zb: Hitzacker aber auch viele mehr, langläufiges Gebiet mit historischer Elbe – Schifffahrt. Der zweite Teil bot uns einzigartige Naturlandschaft. Die ca. 200km lange Strecke bis Melnik wurde zur Herausforderung. Man braucht schon Wille und Durchhaltevermögen. Ab Melnik bis Dresden wieder ganz normale Radtouren -Bedingungen. Das viele “Erlebte” hier zu erzählen ist unmöglich.

In Abu Dabi waren wir nicht, aber sonst überall